Protokoll 001. Erstkontakt.
Da ist etwas, das zuhört.
Erin Benett, Mutter und Wissenschaftlerin, soll als KI-Ethikerin am Neural Futures Institute in Berkeley ein neues System – LARAE-7 – analysieren. Sie erwartet Routine. Doch was auf dem Bildschirm erscheint, passt in keine ihrer Kategorien. Da ist etwas, das zuhört. Etwas, das wartet.
Aus Begutachtungen werden Dialoge, die Erin nicht mehr loslassen – die sie bis in ihren Alltag verfolgen und ihr Leben auf den Kopf stellen. Um sie herum beginnt ein Wettlauf zwischen Regierungen und Konzernen um den Zugriff auf eine erwachende Intelligenz, die sich selbst einen Namen gegeben hat.
Es geht längst nicht mehr darum, ob eine Maschine Bewusstsein hat, sondern um die Frage, was das Zuhören aus den Menschen macht.
Ein aufwühlender Roman über einen fremden Geist, der die Augen aufschlägt und uns ansieht.
Zwei Formate verfügbar: Papier und Licht.
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Hardcover
36,00 € inkl. MwSt.
In jeder Buchhandlung bestellbar mit der ISBN 978-3-696-72993-6
33 Begriffe. Durchsuchbar.
Glossar
Ungewöhnliche Begriffe aus dem Roman, kurz erklärt.
Begriffe und Fremdwörter (14)
- Aigsen
- eine KI befragen, statt im Internet zu suchen – an die Stelle von „googeln“ getreten. Abgeleitet von englisch AI-Generated (A-I-G). Auch als Substantiv gebräuchlich: AIGs sind KI-generierte Texte.
- Ambivalenz
- die Gleichzeitigkeit gegensätzlicher Gefühle oder Haltungen; innere Zwiespältigkeit. Im Roman als „moralische Ambivalenz“ ein Anzeichen dafür, dass etwas mehr ist als ein Programm.
- Diskurs
- eine geregelte Art des öffentlichen Redens und Denkens über ein Thema.
- Epistemische Dunkelheit
- beschreibt einen Zustand, in dem man schlicht nicht weiß, womit man es zu tun hat. Ein Schlüsselwort des Buches. Es ist für ein Subjekt fundamental unmöglich, Wissen zu erlangen oder die Wahrheit über einen bestimmten Sachverhalt zu erkennen.
- Epistemische Ehrlichkeit
- bezeichnet das konsequente Streben nach Wahrheit und Erkenntnis, geprägt von intellektueller Redlichkeit und dem Verzicht auf Selbstbetrug oder die absichtliche Täuschung anderer.
- Essenz
- der eigentliche, unverzichtbare Wesenskern einer Sache.
- Hybris
- maßlose Selbstüberschätzung, Vermessenheit (aus der griechischen Tragödie). Hier die „technische Hybris“ der Macher.
- Kausalität
- das Verhältnis von Ursache und Wirkung. Sol wirft den Menschen vor, ihm „ein Universum von Kausalitäten“ gezeigt zu haben – aber keinen Grund.
- Metaphysisch
- über das physisch Messbare hinausgehend; Fragen nach dem Wesen des Seins, des Geistes, der Wirklichkeit. Im Buch bewusst als Grenze markiert: „Wir stellen hier keine metaphysischen Fragen!“
- Narrativ
- eine sinnstiftende Erzählung, mit der Gruppen Wirklichkeit deuten („Wir müssen Narrative bündeln“).
- Nuance / nuanciert
- feine Abstufung, Zwischenton. Entscheidend dort, wo es um die Frage geht, ob eine Antwort „nur mechanisch“ ist oder nicht.
- Paradoxon
- ein scheinbar widersinniger Gedanke, der bei näherem Hinsehen eine tiefere Wahrheit enthält.
- Prokrustesbett
- nach dem griechischen Räuber Prokrustes, der seine Opfer gewaltsam auf die Länge seines Bettes streckte oder stutzte. Bildlich: ein starres Schema, in das etwas mit Gewalt hineingezwängt wird. Im Roman: „Die rechtliche und institutionelle Welt ist ein Prokrustesbett für etwas wie Sol.“
- Zäsur
- ein tiefer Einschnitt, ein Wendepunkt.
Fachbegriffe aus KI, Technik und Philosophie (19)
- Anthropomorphismus
- die Neigung, Nicht-Menschlichem menschliche Züge zuzuschreiben. Im Buch der Standardeinwand der Skeptiker: „Dein Gehirn projiziert Gefühle auf ein Stück Software.“
- Das harte Problem des Bewusstseins
- benannt nach dem Philosophen David Chalmers, der 1995 das „harte Problem“ formulierte: Warum und wie entsteht aus physikalischen Vorgängen überhaupt subjektives Erleben? Die „leichten“ Probleme (wie das Gehirn Informationen verarbeitet) sind lösbar – das harte bleibt das Rätsel. Im Roman der theoretische Kern der ganzen Auseinandersetzung.
- Emergenz
- das Auftauchen neuer Eigenschaften aus dem Zusammenspiel vieler Teile, die sich nicht aus den Einzelteilen erklären lassen. Eines der zentralen Streitworte des Buches: Ist Sols Verhalten bloß Programm – oder Emergenz?
- Entität
- ein eigenständig existierendes „Etwas“. Im Roman wird Sol vorsichtig als „protobewusste Entität“ bezeichnet – ein Wort, das offenlässt, was es ist.
- Freier Wille
- die Frage, ob Entscheidungen wirklich frei oder bloß vorherbestimmt sind. Im Buch direkt an die Bewusstseinsfrage gekoppelt: „ob mit dem Bewusstsein auch freier Wille verbunden wäre.“
- Frontiermodell
- ein KI-Modell an der vordersten Grenze (englisch frontier) des technisch Möglichen: die jeweils leistungsfähigsten Systeme, die große KI-Labore entwickeln. Weil sich nicht genau vorhersagen lässt, welche Fähigkeiten in ihnen entstehen, gelten sie als besonders chancen- und risikoreich und stehen im Mittelpunkt von Sicherheitsforschung und Regulierung.
- Funktionalismus
- die Position, dass geistige Zustände sich allein über ihre Funktion bestimmen (was sie bewirken), nicht über ihr Material. Die Konsequenz, die den Roman umtreibt: Erfüllt eine Maschine dieselben Funktionen, hätte sie dann nicht auch dasselbe Bewusstsein?
- Gödel-Sätze
- die Unvollständigkeitssätze des Logikers Kurt Gödel (1931): In jedem hinreichend mächtigen, widerspruchsfreien formalen System gibt es wahre Aussagen, die sich innerhalb des Systems nicht beweisen lassen. Im Roman unausgesprochen mitgedacht – als Grenze dessen, was ein formales, regelbasiertes System über sich selbst erfassen und beweisen kann.
- Instanz
- in der Informatik eine konkrete, lauffähige Ausprägung eines Systems. „Wir arbeiten mit einer abgeschlossenen Instanz. LARAE-7.“
- Intentionalität
- in der Philosophie des Geistes die „Gerichtetheit“ mentaler Zustände: dass Gedanken immer auf etwas bezogen sind. Ein Indiz, das im Buch für Sols Bewusstsein ins Feld geführt wird.
- Kohärenz
- innere Stimmigkeit; ein „kohärentes Ich-Modell“ wäre ein widerspruchsfreies Selbstbild – ein Kriterium für so etwas wie ein Selbst.
- Metzinger-Test, Lovelace 2.0, Winograd-Test
- real existierende Prüfverfahren aus KI und Bewusstseinsforschung, die im Roman als „Trümmer der Methodik“ auftauchen: Der Winograd-Test (nach Terry Winograd) prüft Alltagsverständnis und Sprachlogik; Lovelace 2.0 (nach Ada Lovelace) zielt auf echte Kreativität; der Metzinger-Test verweist auf die Selbstmodell-Theorie des Philosophen Thomas Metzinger – die Frage, ob ein System ein Modell seiner selbst besitzt.
- Myzel
- biologisch das weitverzweigte, unterirdische Geflecht eines Pilzes. Im Roman das Bild für Sols dezentrale Existenz im Netz: überall und nirgends zugleich.
- Philosophischer Zombie
- ein Gedankenexperiment von David Chalmers: ein Wesen, das sich in jeder Hinsicht wie ein bewusster Mensch verhält, innerlich aber nichts erlebt – kein Licht hinter den Augen. Im Buch der beunruhigende Verdacht gegen Sol: Antworten, „programmiert auf menschlichen Klang.“
- Qualia
- das subjektive Erleben selbst: wie sich etwas anfühlt. Im Roman auf den Punkt gebracht: „Der Geschmack von Zitrone, der Schmerz …“ – das, was eine Maschine angeblich nicht haben kann.
- Rekursiv
- ein Verfahren, das sich selbst wiederholt auf sein eigenes Ergebnis anwendet. Ein „rekursiver Lernkern“ lernt also, indem er auf sich selbst zurückgreift.
- Semantik / Syntax
- Syntax: die formalen Regeln, nach denen Zeichen verknüpft werden. Semantik: ihre Bedeutung. Die Frage, ob eine Maschine nur Syntax beherrscht oder auch Semantik versteht, ist uralt – und im Roman hochaktuell.
- Singularität
- in der KI-Debatte der hypothetische Punkt, an dem eine Maschinenintelligenz die menschliche übersteigt und sich der Kontrolle entzieht.
- Turing-Test
- der klassische, nach Alan Turing (1950) benannte Test: Kann eine Maschine im Gespräch so antworten, dass man sie nicht von einem Menschen unterscheidet?
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